Zukunftstrend

Holz ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheitsgeschichte. Kaum ein anderes Baumaterial hat eine so lange Tradition. Für Bauplaner ist Holz der Baustoff der Zukunft. Bisher waren Stahl und Beton die Materialien, aus denen Wolkenkratzer gebaut werden. Doch Holz ist ein nachwachsender Rohstoff mit enormem Entwicklungspotential. Der Holzbau geht zukünftig in die Höhe in Form von Holzhochhäusern.

Holzhochhäuser werden mittlerweile weltweit gebaut. Die Idee dahinter ist, Holz als tragenden Baustoff im Geschosswohnungsbau einzusetzen. Es bietet eine Kombination aus hoher Festigkeit und geringem Gewicht. Zusätzlich benötigt es weniger Energie sowohl in der Produktion, im Transport als auch beim Energieverbrauch des Gebäudes. Dank neuester Technik  ist es möglich geschossweise in die Höhe zu bauen. So entstehen weltweit in Städten nachhaltige Holzhochhäuser zum Wohnen und Arbeiten. Aktuell ist es teurer mit Holz statt Beton zu bauen, langfristig jedoch gewinnbringend. Die Immobilienentwicklungsgesellschaft Zug Estates kalkuliert mit Mehrkosten von rund fünf Prozent bei Gesamtinvestitionen für den Bau eines Holzhochhauses.

Hybridbauweise

Für den Holzbau sind Nadelhölzer sehr wichtig. Doch mit dem Trend zum Holzhochhaus wird mehr auf Laubhölzer gesetzt, denn Laubhölzer sind dichter und stabiler. Dies ermöglicht unter anderem mehr Spielraum bei der Gestaltung und Planung. Alle sogenannten Holzhochhäuser gehen von einer Hybridbauweise aus. Das Hochhaus verbindet man zunächst einmal gar nicht mit dem Naturmaterial: Doch überall auf der Welt entstehen zur Zeit Hochhäuser aus Holz.

Das höchste Holzhochhaus der Welt

Als höchstes Holzhochhaus der Welt ist bisher das 2019 fertiggestellte „HoHo“ im 22. Wiener Bezirk bekannt. Dieses ist 84 Meter hoch und hat 24 Stockwerke. Es wurde von der Wiener Architektin Caroline Palfy entworfen. Für das Bauwerk wurden 4500 Kubikmeter Fichtenholz verarbeitet. Das Gebäude besteht zu 75 Prozent aus Holz.

Bauwerke

Zeitnah soll in Sydney vorübergehend das höchste Holzhaus der Welt entstehen. Die Architekturbüros SHoP und BVN bauen für das Softwareunternehmen Atlassian ein 180 Meter hohes Gebäude aus Holz, das vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden soll. Das Gebäude wird als Hybridbau aus Holz und Stahlbeton errichtet. Das innovative Projekt soll 4000 geplante Arbeitsplätze auf 40 Etagen ermöglichen. In Wien sind bereits Holzhochhäuser mit einer Gesamthöhe von 84 Metern, in Amsterdam von rund 73 Metern und in Vancouver von circa 52 Meter entstanden. Geplant sind außerdem Bauwerke in Amsterdam mit 130 Meter und in Chicago mit 228 Meter. 

Plyscraper 

Pünktlich zu seinem 350. Firmenjubiläum will Sumitomo Forestry bis 2041 ein 350 Meter hohes Holzhochhaus erbauen. Mit diesem spektakulären Projekt plant er nicht nur den Höhenrekord zu erzielen, sondern auch ein Denkmal zu setzen. Der sogenannte Plyscraper  soll von einer außenliegenden Stahlkonstruktion um die Stützpfeiler entlastet werden. Beabsichtigt sind 70 Etagen mit Geschäften, Hotels, Büros und Wohnungen.

Was baut Deutschland?

Auch Deutschland versucht einen Rekord zu brechen und baut seit November das höchstes Holzhaus Deutschlands in Hamburg. Der Name des Bauwerks ist “Roots”. Roots steht für die Vision, die Stadt mit dem Baustoff Holz zu verwurzeln. Laut den Hamburger Architekten von Störmer, Murphy and Partners, soll das Gebäude Menschen für die Natur und die Artenvielfalt begeistern und für ihren Schutz sensibilisieren.

Roots

Das Roots soll im Jahr 2023 fertig sein. Es soll rund 65 Meter hoch sein. Damit ist es ganze 30 Meter höher als das Skaio in Heilbronn, welches aktuell das höchste deutsche Haus aus Holz ist.  Nach seiner Fertigstellung ist es das höchste Holzgebäude Deutschlands. Der Bau soll insgesamt 140 Millionen Euro kosten. Durchgeführt wird der Bau von dem Holzbau-Spezialisten Rubner Holzbau. Ursprünglich sollte das nachhaltige Bauvorhaben bereits im Jahr 2021 vollendet sein.

Die Deutsche Wildtier-Stiftung wird den unteren Teil des Gebäudes als gemeinnützige Ausstellungsfläche nutzen. Beim Bau des Gebäudes sollen möglichst viele Rohstoffe verwendet werden. Dadurch soll unter anderem die Bauzeit verkürzt werden. Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg betont: “Die Deutsche Wildtier-Stiftung mit ihrer multimedialen Ausstellung und umfangreichen naturpädagogischen Angeboten bereichert das Kultur- und Bildungsprogramm nicht nur der HafenCity, sondern ganz Hamburgs.”

Innovativ und nachhaltig

Besonders beim Bau von Firmenzentralen setzen viele Firmen auf Holz. “Zurzeit gibt es kaum noch eine Ausschreibung oder einen Architekturwettbewerb, bei dem sich nicht mindestens ein Büro mit einem Holzbau-Entwurf bewirbt”, berichtet Peter Wicki, Leiter der Entwicklung beim Immobilienunternehmen Zug Estates. “Der Holzbau ist aus unserer Sicht ein Innovationstreiber auf der Baustelle”, erklärt Wicki. Die internationale Entwicklung zeigt, dass es keinen Widerspruch zwischen Holzbau und Hochhaus gibt.

Mit diesen Projekten stellen sich die Unternehmen den zukünftigen Herausforderungen des Bauens. Umweltfreundliches und kostenbewusstes Bauen soll zeigen, was mit Holz alles möglich ist. Zimmerer– und Holzbauunternehmen präsentieren die vielfältigen Vorteile des Bauens mit Holz. Dort wo der Wohnraum knapp ist, sind Holz-Hochhäuser eine nachhaltige Lösung. Mit dem wachsenden Klimabewusstsein der Menschheit gewinnen Holzbauten zunehmend an Bedeutung.