Was ist eine Kernsanierung?

Der Begriff Kernsanierung umfasst sämtliche bauliche Sanierungs-Maßnahmen mit dem Ziel die eigentliche Bausubstanz wiederherzustellen, indem alle nachträglichen An- und Umbauten, vollständig entfernt werden. Die bestehende Gebäudekonstruktion wird in einen neuwertigen Zustand versetzt und den Individuellen Bedürfnissen angepasst. 

Wer sich für den Neubau entscheidet kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Denn mit einem Neubau lassen sich individuelle Wünsche erfüllen. Von der architektonischen Gestaltung bis hin zur Raumaufteilung. So ein Neubau ist jedoch mit hohen Kosten und viel Zeit verbunden. Die meisten der eben genannten Vorteile lassen sich mit einer Kernsanierung oftmals auch für weniger Geld und besonders in einer kürzeren Zeit verwirklichen.

Wer seinen Altbau saniert, statt neu zu bauen, schont zusätzlich die Umwelt. Denn viele alte Häuser bieten großes Potenzial für Sanierungsmaßnahmen, die erheblich weniger Ressourcen erfordern als ein Neubau. Ein altes Haus kann auf moderne Standards gehoben werden ohne mehrere Tonnen Bauschutt zu verursachen. 

Studie der Arbeitsgemeinschaft Zeitgemäßes Bauen 

Eine Sanierung ist günstiger als ein Neubau. Das zeigt eine Studie der Arbeitsgemeinschaft Zeitgemäßes Bauen aus dem Jahr 2011. Laut der Studie lohnt sich nur bei rund zwölf Prozent aller Familienhäuser in Deutschland der Abriss mehr als eine Sanierung nach Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV).

Eine Kernsanierung wird für viele Menschen mit dem Wunsch nach den eigenen vier Wänden immer attraktiver, besonders aus Kosten- und Zeitgründen. Für eine Kernsanierung entschied sich auch Barbara Streit, die mit ihrem Partner 2018 begonnen hat ein altes Haus ihrer Familie zu sanieren. Sie hat sich die Zeit genommen mit uns über ihre Sanierungs-Pläne zu sprechen.

Kosteneinschätzung?

Das Paar hat sich bei dem Umbau des Familienhauses für eine komplette Kernsanierung entschieden. Das Familienhaus wurde im Jahre 1953 erbaut und wurde in den 1980er Jahre um ein zweites Obergeschoss erweitert. Als erster Schritt mussten vorab die Kosten, die die Sanierung in Anspruch nehmen wird, kalkuliert werden. Die persönliche Einschätzung wurde mit der Kosteneinschätzung des zuständigen Architekten verglichen. Nach einer umfassenden Untersuchung der Immobilie und in Anbetracht der verfügbaren geldlichen Mittel sowie der individuellen Vorstellungen und Prioritäten konnte die bestmögliche Entscheidung getroffen werden. Die Baukosten für die Sanierung ihrer Immobilie wurde mit 300-350.000€ angesetzt.

Zu Beginn bestand die Hoffnung, dass eine Renovierung ausreichen würde. Doch da die Leitungen im Haus schon sehr alt waren und die Heizungen komplett neu eingerichtet und verlegt werden mussten, wurde hier sehr viel mehr saniert als renoviert. Anfangs wäre eine Sanierung nach der damaligen Kalkulation kostengünstiger gewesen. Kosten sind bei solch einem Vorhaben jedoch nicht zu 100 Prozent kalkulierbar. Somit sind in diesem Fall die Kosten für die Sanierung mit der Zeit gestiegen. Bis zum Umbau des Hauses bestand die einzige Heizung aus einem Kachelofen für alle Stockwerke. “Natürlich mussten wir mit strombetriebenen Heizlüftern aushelfen, was absolut nicht energiesparend und sehr teuer war”. 

Was wird Umgebaut?

Barbara Streit und ihr Partner renovierten das Erdgeschoss und kernsanierten neben den zwei oberen Stockwerken auch den Dachstuhl. Das Dach wurde neu gemacht und die Gauben vergrößert. Außerdem hat sich das Paar für eine neue Raumaufteilung im Haus entschieden. Sie haben dafür im 1. OG bis auf die Außenwände fast alle Wände eingerissen, sodass ein offener Wohn- und Essbereich entstanden ist. Viele Wände wurden versetzt und Träger für die tragenden Wände eingezogen. Hierfür mussten dann für die tragenden Wände Stahlträger eingesetzt werden. Zusätzlich wurde eine neue Pelletheizung eingebaut.

Echtholzparkett

Besonders wichtig war es für das Paar, dass ein neuer Boden im Haus verlegt wird. “Ein neuer Boden gehört für uns schon allein wegen der Veränderung der Raumaufteilung zum Bauvorhaben. Außerdem verändert ein hochwertiger Boden das Gesicht der kompletten Wohnung. Deshalb haben wir uns auch für Echtholzparkett entschieden. Das Gefühl ist einfach einmalig”.

Barbara Streit betont, dass ein Bau ein extrem komplexes Projekt ist, welches auch mit erfahrenen und kompetenten Hilfskräften Komplikationen mit sich bringt. Sie empfiehlt daher als Bauherr den Prozess in der Tiefe zu begleiten und sich selbst in die Thematik einzuarbeiten. “Es ist wichtig, mitzureden und seine eigenen Wünsche auch einbringen zu können”

Was muss ich beachten?

Die perfekte Zeit für eine Hausrenovierung gibt es ihres Erachtens nach nicht. Wichtig sei hauptsächlich “[…] finanziell gut dazustehen und eine Ausweichmöglichkeit zum Wohnen sollte auch über eine längere Zeit funktionieren”. Außerdem sollte man auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, eine gute Rechtsschutzversicherung haben und genügend Pufferzeit für Unvorhergesehenes einplanen. Denn zu beachten gibt es bei einer Kernsanierung vieles “Mein Riesen-Learning bei dem Ganzen ist, dass man auf seine eigenen Wünsche gut aufpassen sollte. Wenn man eine bestimmte Vorstellung oder einen Wunsch hat, der einem wichtig ist, muss man aufpassen, dass dieser Wunsch nicht durch zu viel Pragmatismus aus dem Weg geräumt wird. „Zu teuer“ oder „zu aufwändig” ist sehr relativ, wenn es um etwas geht, das Euch das Leben für viele Jahre erleichtert oder verschönert”. 

Erstellung eines Zeitplans

Nicht außer Acht zu lassen ist ein einigermaßen verbindlicher Zeitplan. “Das würde ich in Zukunft noch viel verbindlicher einfordern”. Mit Hilfe von 3D Animationsprogramme kann man seine Vorstellungen zum leben erwecken und somit den Prozess vereinfachen und gegebenenfalls sogar beschleunigen.

Das Paar hat während der Sanierungsarbeiten festgestellt, dass sich Bedürfnisse verändern können. “Was sich während unserer Umbauzeit definitiv entwickelt hat, ist der Wunsch das nächste Mal umweltbewusster zu bauen. Beim nächsten Bau würden wir mehr Wert auf natürliche Materialien und auf Recyclebarkeit legen”. Ihre Empfehlung für Menschen, die mit dem Gedanken einer Kernsanierung spielen “Beim Budget würde ich immer wieder als erstes die Frage stellen, was maximal zu investieren möglich ist. Davon sollte man ca. 10-15% Puffer abziehen und mit diesem Budget dann in die Planung starten”.

Förderungsanträge

In Deutschland gibt es viele Förderungsmittel, die man für eine Kernsanierung beantragen kann. “Wir haben für unsere Sanierung eine KfW Förderung beantragt und auch bekommen”. Gerade weil es heutzutage tolle innovative Materialien und Techniken gibt, lohnt es sich, sich selbst zu informieren. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass es ihrer Meinung nach schwer ist diese alle zu kennen, weshalb es sein kann, dass man im Nachhinein Dinge gerne anders gemacht hätte. “Wir hätten im Nachhinein gerne über Dämmung aus nachwachsenden Materialien gesprochen, das kam bei uns aber nie auf den Tisch”. 

Welche Rolle spielt Holz bei einer Kernsanierung?

Sehr wichtig bei einer Kernsanierung ist der nachwachsende Rohstoff Holz, denn Holz ist “[…] Vielseitig, sowohl als Baumaterial, Heizmaterial und als Dämmstoff”. Die Tendenz hier ist steigend, denn in der Zukunft werden immer mehr Anwendungsmöglichkeiten entstehen.  Barbara Streit hofft, dass Holz “wieder den Kunststoff Alternativen vorgezogen wird”. Das Paar hat Holz vor allem für den neuen Dachstuhl als Baustoff genutzt und waren begeistert. “Das Arbeiten mit Holz ist im Vergleich viel sauberer, schneller, riecht gut und fühlt sich gut an”. Holz ist ein Erlebnis für alle Sinne.

Fazit

Eine Kernsanierung mag viele Anfänger abschrecken, denn es handelt sich um ein komplexes Vorhaben, das Herausforderungen an alle Beteiligte stellt. Damit das Ergebnis am Ende stimmt, sollte vor allem auf gute Qualität und Vorbereitung gesetzt werden. Sorgfältige Beratung, Planung und viel Geduld stellt die Qualität des Hauses sicher. Alles in allem bietet eine Kernsanierung viele Vorteile “[…] und es ist und bleibt ein großes, spannendes Projekt fürs Leben”.