Ein Mercedes 300 SL gilt schon aus Blech als echtes Schmuckstück. Doch was der französische Möbelbauer Remi Le Forestier erschaffen hat, lässt selbst Autokenner staunen. Gemeinsam mit seinem Team hat er in rund 8.000 Stunden einen nahezu vollständig aus Holz gefertigten 300 SL gebaut – fahrbereit, mit Flügeltüren, Teak-Karosserie und jeder Menge handwerklicher Präzision.

Fast alles an diesem Wagen ist aus Holz

Vom Lenkrad über die Türen bis hin zum Armaturenbrett besteht beinahe jedes sichtbare Bauteil aus massivem Teakholz. Dieses Holz ist nicht nur edel, sondern auch witterungsbeständig. Für Le Forestier war das entscheidend. Schließlich sollte das Fahrzeug nicht nur gut aussehen, sondern auch der Realität standhalten. Nur dort, wo es unbedingt notwendig war, verbaute das Team Originalteile – zum Beispiel beim Schalthebel, bei den Reifen und beim Antrieb. Unter der hölzernen Motorhaube steckt ein 200 PS starker Motor aus einem Mercedes E 300. Das Auto könnte theoretisch Tempo 100 erreichen. Aus Sicherheitsgründen bleibt es laut Le Forestier aber bei maximal 20 km/h.

Die größte Herausforderung war das Zusammenspiel von Holz und Mechanik

Dass Holz arbeitet, ist für Zimmerer nichts Neues. Für ein bewegliches Objekt wie einen Sportwagen stellt das jedoch ganz eigene Anforderungen. Le Forestier und sein Team mussten Holzverbindungen schaffen, die dauerhaft halten und gleichzeitig mechanische Bewegungen zulassen. Besonders die Verbindung von klassischer Fahrzeugtechnik und natürlichem Werkstoff erforderte Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Am Ende entstand ein Fahrzeug, das nicht nur rollt, sondern lebt – wie jedes gute Stück Handwerkskunst.

Das schöne Schloss fährt jetzt durch Frankreich

Der hölzerne Mercedes trägt den Namen „La Belle Castelle“, was so viel heißt wie „das schöne Schloss“. Eine Anspielung auf Le Forestiers Heimatort Château-Thierry. Dort entstand das Projekt in liebevoller Handarbeit. Nach der Fertigstellung erhielt das Auto sogar den kirchlichen Segen eines Priesters. Wer das Fahrzeug besichtigen möchte, kann dies aktuell in der Racebox von Auto-YouTuber Pierre Chabrier tun. Ab September wird es im Schloss Monthyon im Rahmen einer Ausstellung über Romy Schneider und Alain Delon zu sehen sein. Im November folgt die Auktion im Auktionshaus Rouillac in Tours. Dort wurde bereits vor zwei Jahren eine hölzerne Citroën Ente für über 200.000 Euro versteigert. Es bleibt also spannend, welchen Preis der Mercedes erzielen wird.

Holzbau kann mehr als Dach und Wand

Für Zimmerer ist dieses Projekt mehr als nur eine kuriose Geschichte. Es zeigt, was mit Holz möglich ist, wenn man Materialwissen, handwerkliches Können und kreative Visionen verbindet. Auch im klassischen Holzbau geht es immer wieder darum, Technik und Natürlichkeit miteinander zu vereinen – sei es bei modernen Dachkonstruktionen, beim Innenausbau oder beim Abbund. Dass ein Möbelbauer ein Auto aus Holz baut, mag ungewöhnlich sein. Dass es funktioniert, ist ein starkes Zeichen für die Vielseitigkeit unseres Werkstoffs.

Von Trump bis Flügeltür

Le Forestier baut übrigens nicht nur Fahrzeuge aus Holz. Er hat auch Donald Trump einen hölzernen Schreibtisch nachgebaut und dafür sogar einen persönlichen Dankesbrief erhalten. Auch der Scooter des ehemaligen französischen Präsidenten François Hollande wurde von ihm in Holz verewigt. Was als Spielerei begann, hat sich zu einer eigenen Formsprache entwickelt. Holz als Ausdrucksmittel – auch das verbindet den Künstler mit vielen Zimmerern, die jeden Tag mit dem Werkstoff arbeiten, gestalten und neue Ideen umsetzen.

Ein echtes Unikat mit Botschaft

Ein Mercedes aus Holz mag im Alltag nicht besonders praktisch sein. Aber er erinnert daran, was mit Leidenschaft, Zeit und gutem Handwerk möglich ist. Für alle, die mit Holz arbeiten, bleibt er ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie weit man mit Know-how und Vision kommen kann – sogar bis unter die Motorhaube.

 Fotos: © Remi Le Forestier