Ein Brand und ein Neuanfang

Am 25. August 2021 brannte die fast 100 Jahre alte Christuskirche in Utting nieder. Die Trauer war groß, doch das Gemeindeleben musste weitergehen. Gottesdienste fanden im Freien statt, manchmal auf Biertischen als Altar. Bald begann die Planung für den Wiederaufbau. Es wird moderner, nachhaltiger und mit viel Eigenleistung gebaut.

Grundsteinlegung mit Zeitkapsel

Bei einem Gottesdienst vor der Baustelle wurde der Grundstein gelegt. Und in das Fundament wurde eine Zeitkapsel einbetoniert. Darin liegen die Baupläne der alten und neuen Kirche, eine Zeitung, der Gemeindebrief, eine Zinnfigur und ein Bild des alten Gotteshauses. Die Gaben erinnern an die Geschichte. Gleichzeitig machen sie Hoffnung auf die Zukunft.

Pfarrer Jochen Eberhardt machte deutlich: Es soll keine Prestige-Kirche entstehen. „Wir bauen eine Kirche als Treffpunkt für Menschen. Einen Ort, um Gott zu begegnen, Gottesdienste zu feiern und sich wohlzufühlen.“

Architektur mit Tradition und Zukunft

Mit dem Neubau wurde Architekt Mauritz Lüps beauftragt, der selbst eine enge Verbindung zur Kirche hat. Sein Vater plante schon das Gemeindezentrum. Lüps möchte alte und neue Elemente verbinden. So bleibt die rot-blau-gestreifte Eingangstür erhalten, auch das Kreuz auf der Spitze kommt wieder.

Gleichzeitig wird vieles verändert. Keine störenden Säulen mehr. Stattdessen kleine Fenster auf Augenhöhe, mobile Stühle statt Bänke, ein flexibler Altar. Die Kirche wird wandelbar. So kann sie nicht nur für Gottesdienste sondern auch mal für Konzerte, Ausstellungen oder Jugendfreizeiten genutzt werden. Platz ist für rund 200 Menschen.

Holzbau für Nachhaltigkeit

Die neue Kirche entsteht wieder aus Holz. Dicke Fichtenstämme aus der Region bilden die Wände. Das Holz ist massiv verbaut und damit brandsicher. Im Fall eines Feuers verkohlt es nur an der Oberfläche und brennt nicht durch.

Zudem speichert der Massivholzbau große Mengen CO₂. Die Kirche wirkt wie ein gebauter Wald. Die Holzwände halten im Winter warm und im Sommer kühl. Das spart Energie und macht den Bau klimafreundlich.

Gemeinschaft und Solidarität

Zur Grundsteinlegung kamen fast 300 Menschen. Die Verbundenheit ist groß, die Hilfsbereitschaft beeindruckend. Sogar neue Mitglieder traten in die Evangelische Kirche ein, manche wechselten von der katholischen Kirche. Beide Konfessionen arbeiten in der Region heute enger zusammen.

Auch die Spendenbereitschaft ist hoch. Mehrere hunderttausend Euro und viele ehrenamtliche Stunden sind bereits in den Bau geflossen. Denn die Versicherung deckt nur den Wiederaufbau im alten Standard. Die neue Kirche soll aber nachhaltiger werden – mit besserer Energiebilanz und sogar Livestream-Möglichkeiten für Gottesdienste.

Ein Zeichen der Hoffnung

Die Christuskirche Utting zeigt, wie Holzbau Tradition und Zukunft verbindet. Der Wiederaufbau ist ein Zeichen der Stärke, des Zusammenhalts und der Vision einer modernen, nachhaltigen Kirche. Bis Ende 2025 soll das Gotteshaus fertig sein. Und dann werden in Utting wieder Glocken von Hand geläutet – so wie früher, und doch mit Blick in die Zukunft.