Ist Heizen mit Holz wirklich nachhaltig?

Ein aktuelles Gutachten des Umweltbundesamts (UBA) sorgt derzeit für ordentlich Diskussionsstoff im Holzbau – und das nicht nur bei Kaminfans. Laut dem Bericht ist das Heizen mit Holz nämlich nicht automatisch klimaneutral. Was bisher als „grüne Alternative“ zu Öl und Gas galt, steht plötzlich auf dem Prüfstand.

Das vom Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) erstellte Gutachten betont: Nur unter bestimmten Voraussetzungen bleibt Holzheizen wirklich nachhaltig. Entscheidend sind Herkunft, Bewirtschaftung und Transportwege. Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft und regionaler Produktion kann klimafreundlich sein – Importware mit langen Wegen eher nicht.

Kaskadennutzung statt Kaminromantik

Das Gutachten fordert ein Umdenken: Holz soll erst verarbeitet und dann verbrannt werden – Stichwort Kaskadennutzung.
Heißt im Klartext: Erst Balken, Bretter, Möbel – und wenn das Material am Ende seines Lebenszyklus angekommen ist, darf es in den Ofen. So bleibt der gebundene Kohlenstoff länger erhalten und der Rohstoff wird effizienter genutzt.

Gerade für Zimmererbetriebe ist das Thema brisant: Wer nachhaltige Bauprojekte plant oder Holzhäuser zertifizieren lässt, muss künftig noch stärker auf die Materialherkunft achten. Denn was für den Bau verwendet wird, darf später nicht einfach energetisch „verheizt“ werden – zumindest nicht ohne Nachweis.

Fachverband Holzenergie schlägt zurück

Kritik an der Kritik ließ nicht lange auf sich warten.
Der Fachverband Holzenergie (FVH) spricht von einer „ideologisch gefärbten Debatte“. Laut Vorsitzender Marlene Mortler habe Holzenergie im vergangenen Jahr rund 32 Millionen Tonnen CO₂ eingespart – ein entscheidender Beitrag für die Energiewende.

Auch viele Handwerksbetriebe teilen diese Meinung: „Ohne Holz läuft nichts – weder beim Bauen noch beim Heizen“, heißt es in zahlreichen Stimmen aus der Branche.

Das UBA verteidigt sich: Man wolle Holz nicht verbieten, sondern klare Standards schaffen. Nur so könne man die Energiewende glaubwürdig gestalten.

Gefahr für Millionen Heizungen – und neue Chancen für den Holzbau?

Sollte sich die neue Bewertung durchsetzen, könnte das Gebäudeenergiegesetz (GEG) für Holzheizungen zur Herausforderung werden. Denn das Gesetz verlangt, dass Heizsysteme zu mindestens 65 % aus erneuerbaren Energiengespeist werden.
Wenn Holz plötzlich nicht mehr als „erneuerbar“ gilt, wären viele Anlagen rechtlich in der Schwebe.

Für Holzbau-Betriebe kann das aber auch eine Chance sein: Wer sich jetzt mit dem Thema nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Holzbau beschäftigt, kann Kunden fundiert beraten – und langfristig punkten. Denn eines bleibt sicher: Ohne Holz wird die Energiewende weder gebaut noch beheizt.

Holzheizungen – Verantwortung zählt

Das Gutachten ist kein Todesurteil für die Holzheizung, sondern ein Weckruf. Es erinnert uns daran, dass Nachhaltigkeit im Holzbau mehr bedeutet als nur nachwachsende Rohstoffe.
Wer Holz richtig einsetzt, regional denkt und auf zertifizierte Quellen setzt, bleibt auch in Zukunft auf der sicheren Seite – sowohl ökologisch als auch gesetzlich.