Die Holz_Haus_Tage 2025 zeigten sehr deutlich, wie stark sich der Holzbau weiterentwickelt. Rund 170 Teilnehmende trafen sich am 16. und 17. Oktober im Kongress- und Theaterhaus Bad Ischl. Das Motto lautete in diesem Jahr „zukunftsfähiger Holzbau“. Entsprechend beschäftigten sich die Vortragenden mit einer breiten Themenpalette. Dazu gehörten die effiziente Nutzung von Bestandsgebäuden, Herausforderungen bei der Sanierung, der praktische Umgang mit Kreislaufwirtschaft, die Rolle von begrünten Fassaden im Zusammenhang mit Brandschutz, rechtliche Grundlagen sowie aktuelle Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung.

Nach der Begrüßung durch Seminarleiterin Sylvia Polleres von der Holzforschung Austria eröffnete Simon Kathrein als Bundesinnungsmeister die Veranstaltung. Er sagte, dass zukunftsfähiger Holzbau ein Leitmotiv für die kommenden Jahrzehnte bleibt. Anschließend übergab er an die Vortragenden.

Chancen für den Holzbau

Prof. Dr. Winfried Heusler vom ift Rosenheim startete mit einem Blick auf die Lage der Baubranche. Er sprach über globale Veränderungen, die Krise des konventionellen Bauens und die steigende Bürokratie. Gleichzeitig machte er Mut. Er betonte, dass Holzbauten flexibel reagieren und sich sehr gut an unbeständige Zeiten anpassen. Seine Empfehlung lautete, Netzwerke auszubauen und klar zu entscheiden, ob man im Basis- oder im Premiumsegment arbeiten möchte.

Danach folgte Dominik Philipp, CEO und Partner bei Dietrich Untertrifaller Architekten. Er erklärte, warum serielle Vorfertigung und individuelle Architektur sehr gut zusammenpassen. Viele Projekte bestehen aus einer Mischung aus seriellen Bauteilen und individuell geplanten Elementen. Besonders im Städtebau schafft das eine große Flexibilität. Philipp stellte außerdem ein Baukastensystem vor, das mit BIM geplant wird. So bleibt jederzeit sichtbar, wo sich welche Bauteile befinden und wie man sie später wiederverwenden kann. Auch das Mieten von Bauteilen für Städte mit begrenzten Budgets spielte eine Rolle.

Im Anschluss sprach Architektin Sonja Hohengasser über den Bestand als Chance. Sie präsentierte Projekte, die zeigen, wie kreativ und sinnvoll man mit bestehender Bausubstanz umgehen kann. Sie merkte an, dass Bauen ohne Förderungen kaum noch möglich sei und forderte einen kulturellen Wandel hin zur bewussten Weiterentwicklung des Bestands.

Herausforderungen in Sanierung und Planung

Den zweiten Themenblock eröffnete Adrian Blödt. Er sprach über Deckensanierungen im Altbau und über schallschutztechnische Herausforderungen. Seine wichtigste Botschaft lautete, dass Altbau bei richtiger Planung Schallschutzwerte erreichen kann, die dem Neubau sehr nahe kommen.

Darauf folgte Petra Fortmüller von der TU Graz. Sie präsentierte holzbauadäquate Badezimmerplanung mit Hilfe des kostenlosen Online-Tools „CLT Plumbing Designer“. Sie riet dazu, über Gewerke hinweg zu denken, digitale Werkzeuge stärker zu nutzen und mehr Standardisierung zu schaffen. Sie empfiehlt kompakte Installationen, wenige Verbindungsstellen und möglichst viel Vorfertigung.

Kreislaufwirtschaft als Zukunftsthema

Im letzten Block des Tages sprach Dr. Martin Weigl-Kuska von der Holzforschung Austria über die Bedeutung von Altholz. Seine Präsentation war humorvoll gestaltet. Dabei erklärte er die Qualität, Verfügbarkeit und Wiederverwertbarkeit von Altholz. Zusätzlich zeigte er Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt TimberLoop und dem Kreislaufwirtschaftsmodell TripleA.

Anschließend sprach Simon Winter über die Rolle von Holz und Klimabilanz im Zusammenhang mit der neuen Bauprodukteverordnung CPRnew. Die steigenden Anforderungen stellen viele Betriebe vor Herausforderungen. Das Projekt „Key2Store“ der HFA soll hier praxistaugliche Lösungen bieten.

Ein kurzer Zwischenmoment entstand, als Georg Niedersüß und Dr. Gerhard Grüll die stellvertretende Geschäftsführerin Sylvia Polleres für 25 Jahre Dienstzeit bei der HFA ehrten.

Zum Abschluss des ersten Tages gab der Neurobiologe Dr. Bernd Hufnagl einen fachfremden, aber wichtigen Impuls. Er erklärte, wie digitaler Stress die Psyche belastet und wie man wieder mehr Ruhe findet.

Forschung, Entwicklung und Recht am zweiten Tag

Siegfried Kohler von der DKS GmbH eröffnete Tag zwei. Er sprach über Standardisierung und Systematisierung im Holzbau. Die Branche hat sich in den letzten Jahren sehr innovativ entwickelt, doch die Komplexität steigt. Kohler meinte, dass Innovation erst dann entsteht, wenn der Markt etwas annimmt. Er sieht vor allem Interessenvertreter und Verbände in der Verantwortung, Komplexität zu reduzieren.

Es folgte Dr. Bernd Nusser, der die kommende bauakustische Planungsnorm ÖNORM B 8115-4:2025 vorstellte und erklärte, was sie für die Praxis bedeutet. Reinhold Steinmaurer von holzbau austria gab anschließend Einblicke in das Bauarbeitenkoordinationsgesetz und stellte wesentliche Erkenntnisse aus aktuellen Urteilen dar.

Prof. Dr. Maren Kohaus widmete sich der Frage, wann ein Gebäude eigentlich fertig ist. Sie präsentierte Forschungsergebnisse zur natürlichen Verwitterung unbehandelter Fassaden. Ihr Fazit lautete, dass Verwitterung gestalterische Chancen bietet.

Im Anschluss stellte Philipp Trimmel Forschungsergebnisse zum Brandverhalten von beschichteter Hobelware vor. Die HFA untersuchte mehr als 100 verschiedene Beschichtungen. Zum Abschluss der Veranstaltung sprach Dr. Thomas Engel von der TU München über das Brandverhalten begrünter Fassaden. Bei nicht fassadengebundenen Systemen sieht er kaum Risiken. Entscheidend sei jedoch die regelmäßige Pflege der Vegetation.

Die Holz_Haus_Tage verdeutlichen die Vielfältigkeit im Holzbau

Viele Vorträge zeigten neue Herangehensweisen, andere stellten bestehende Methoden infrage. Besonders spürbar war der Wunsch nach mehr Pragmatismus im Alltag der Betriebe. Themen wie Sanierung, Kreislaufwirtschaft, digitale Werkzeuge oder rechtliche Anforderungen bleiben anspruchsvoll, bieten aber gleichzeitig konkrete Ansatzpunkte für effizientere Abläufe.

Was sich ebenfalls zeigte: Der Holzbau bewegt sich nicht in eine einzige Richtung, sondern öffnet sich für mehrere Wege gleichzeitig. Manche setzen auf Standardisierung, andere auf Individualität oder auf eine stärkere Nutzung des Bestands. Genau diese Mischung sorgt dafür, dass die Branche lebendig bleibt und auch weiterhin Lösungen findet, die zur Realität auf den Baustellen passen.