Wer schon einmal ein Dach mit mehreren Gauben, Dachfenstern oder schwer zugänglichen Anschlüssen aufnehmen musste, weiß, wie viel Zeit allein für das Aufmaß eingeplant werden muss. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Genauigkeit, Dokumentation und Arbeitssicherheit.

Deshalb setzen immer mehr Zimmerer- und Dachdeckerbetriebe Drohnen ein. Sie helfen dabei, Dachflächen zu erfassen, Bestandsgebäude zu dokumentieren oder Projekte vorzubereiten, ohne jedes Detail direkt auf dem Dach aufnehmen zu müssen.

Wer eine Drohne gewerblich nutzen möchte, sollte allerdings die rechtlichen Vorgaben kennen. Denn je nach Drohne und Einsatzgebiet ist ein entsprechender Drohnenführerschein erforderlich.

Warum Drohnen im Handwerk zunehmend eingesetzt werden

Die Einsatzmöglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Während Drohnen früher hauptsächlich für Fotos und Videos genutzt wurden, stehen heute vor allem Vermessung, Dokumentation und Planung im Vordergrund.

Besonders bei Bestandsgebäuden können Drohnen wertvolle Informationen liefern. Dachflächen, Gauben, Kamine oder Anschlüsse lassen sich schnell erfassen und dokumentieren. Die gewonnenen Daten können anschließend in die weitere Planung einfließen.

Vor allem bei größeren Gebäuden oder schwer zugänglichen Dachflächen sparen Betriebe dadurch Zeit und reduzieren gleichzeitig Arbeiten in großer Höhe.

Aufmaß aus der Luft

Ein klassischer Einsatzbereich ist die Dachvermessung.

Moderne Drohnen erfassen innerhalb weniger Minuten zahlreiche Bilddaten, aus denen sich anschließend präzise Modelle oder Vermessungsdaten erstellen lassen. Viele Systeme ermöglichen inzwischen den Export in gängige Planungs- und CAD-Lösungen.

Für Holzbau- und Dachdeckerbetriebe bedeutet das eine deutlich bessere Datengrundlage bereits in einer frühen Projektphase.

Gerade bei Sanierungen, Aufstockungen oder komplexen Dachformen kann die digitale Erfassung helfen, Planungsfehler zu vermeiden und den Aufwand vor Ort zu reduzieren.

Mehr Sicherheit bei der Gebäudeaufnahme

Nicht jedes Dach muss für eine erste Begutachtung vollständig betreten werden.

Drohnen ermöglichen es, Schäden, Anschlüsse oder schwer erreichbare Bereiche zunächst aus sicherer Entfernung zu prüfen. Das ersetzt zwar keine handwerkliche Bewertung, liefert aber oft bereits wichtige Informationen für die weitere Planung.

Gerade im Dachdecker- und Zimmererhandwerk, wo Arbeiten in großer Höhe zum Alltag gehören, kann dies einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn bedeuten.

Welcher Drohnenführerschein wird benötigt?

Grundlage für die Nutzung von Drohnen in Deutschland sind die EU-Drohnenregelungen.

Für Handwerksbetriebe sind vor allem zwei Nachweise relevant.

EU-Kompetenznachweis A1/A3

Der sogenannte kleine Drohnenführerschein ist der Einstieg in die gewerbliche Drohnennutzung.

Er berechtigt zum Betrieb vieler Drohnen in der offenen Kategorie. Allerdings gelten dabei bestimmte Abstandsregeln zu Wohngebieten, Gewerbeflächen und Personen.

Für einfache Einsätze außerhalb dichter Bebauung kann dieser Nachweis ausreichend sein.

EU-Fernpilotenzeugnis A2

Für viele Dachdecker- und Holzbaubetriebe ist das A2-Zeugnis die praktikablere Lösung.

Da ein Großteil der Projekte in Wohngebieten stattfindet, ermöglicht der A2-Nachweis deutlich flexiblere Einsatzmöglichkeiten. Vor allem bei Vermessungen oder Inspektionen in bebauten Bereichen ist er häufig die sinnvollere Wahl.

Registrierung und Versicherung nicht vergessen

Neben dem Drohnenführerschein müssen weitere Anforderungen erfüllt werden.

Drohnen mit Kamera oder einem Gewicht von mehr als 250 Gramm erfordern in der Regel eine Registrierung beim Luftfahrt-Bundesamt. Außerdem muss geprüft werden, ob die bestehende Betriebshaftpflicht den gewerblichen Drohneneinsatz abdeckt.

Viele Betriebe gehen davon aus, dass dies automatisch der Fall ist. Ein Blick in die Versicherungsunterlagen schafft hier schnell Klarheit.

Welche Drohne eignet sich für Zimmerer und Dachdecker?

Die passende Drohne hängt vom Einsatzbereich ab.

Für kleinere Wohngebäude reichen häufig kompakte Modelle mit hochauflösender Kamera aus. Werden regelmäßig größere Objekte vermessen oder detaillierte Bestandsdaten benötigt, kommen leistungsfähigere Systeme mit präziser Positionierungstechnik infrage.

Wichtiger als die reine Technik ist jedoch die Frage, welche Daten später benötigt werden. Wer Vermessungsdaten oder 3D-Modelle für die Planung nutzen möchte, sollte bereits bei der Auswahl der Drohne auf entsprechende Funktionen achten.

Digitale Daten direkt für die Planung nutzen

Besonders interessant wird der Drohneneinsatz, wenn die erfassten Daten direkt in bestehende Arbeitsabläufe übernommen werden können.

Viele Vermessungslösungen ermöglichen heute den Export in CAD- und Planungsprogramme. Dadurch entfällt ein Teil der manuellen Datenerfassung und Planungsgrundlagen stehen schneller zur Verfügung.

Für Betriebe, die bereits digital arbeiten, kann dies eine sinnvolle Ergänzung bestehender Prozesse sein.

Was kostet der Einstieg?

Die Kosten setzen sich aus mehreren Bausteinen zusammen.

Für den EU-Kompetenznachweis A1/A3 fallen je nach Anbieter meist weniger als 100 Euro an. Das A2-Fernpilotenzeugnis liegt in der Regel zwischen 230 und 330 Euro.

Hinzu kommen die Anschaffungskosten für die Drohne, gegebenenfalls Softwarelösungen für die Auswertung sowie die notwendige Versicherung.

Welche Investition sinnvoll ist, hängt letztlich davon ab, wie häufig die Technik eingesetzt werden soll und welche Aufgaben sie im Betrieb übernehmen soll.

Der neue Arbeitsalltag?

Drohnen haben sich in vielen Bereichen des Handwerks vom Spezialwerkzeug zum festen Bestandteil moderner Arbeitsabläufe entwickelt.

Für Zimmerer und Dachdecker bieten sie vor allem Vorteile bei der Gebäudeaufnahme, der Dokumentation und der Projektvorbereitung. Gleichzeitig sind die rechtlichen Anforderungen überschaubar, wenn man sich frühzeitig mit dem Thema beschäftigt.

Wer Drohnen regelmäßig im Betrieb einsetzen möchte, sollte sich daher nicht nur mit der passenden Technik beschäftigen, sondern auch mit den erforderlichen Nachweisen, der Registrierung und dem Versicherungsschutz. So lässt sich die Technik rechtssicher und sinnvoll in den Arbeitsalltag integrieren.