Auf der Baustelle muss es meistens schnell gehen. Das gilt besonders dann, wenn mehrere Gewerke gleichzeitig arbeiten, das Wetter nicht mitspielt oder der Bauherr einen festen Fertigstellungstermin erwartet.
Beim Holzmodulbau wird deshalb ein großer Teil der Arbeit vorgezogen. Die einzelnen Raummodule entstehen nicht erst auf der Baustelle, sondern werden bereits im Werk gefertigt und dort weitgehend fertiggestellt. Erst danach geht es mit dem fertigen Modul per Lkw zur Baustelle.
Das spart vor Ort vor allem eines: Arbeitszeit.
Was beim Holzmodulbau anders läuft
Beim klassischen Holzrahmen- oder Holztafelbau werden einzelne Bauteile wie Wände und Decken vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle zum Gebäude zusammengesetzt.
Beim Modulbau geht die Vorfertigung einen Schritt weiter. Hier entsteht bereits ein kompletter Raum.
Je nach Ausführung können Fenster, Türen, Bodenbeläge, Wand- und Deckenoberflächen sowie Teile der Haustechnik schon im Werk eingebaut werden. Auch Einbaumöbel sind möglich.
Auf der Baustelle müssen die Module dann nur noch an ihren vorgesehenen Platz gehoben, miteinander verbunden und an die bereits vorbereiteten Anschlüsse angeschlossen werden.
Das verändert den Ablauf eines Bauprojekts erheblich.
Bis zu 40 Prozent kürzere Bauzeit sind möglich
Ein häufig genannter Vorteil des Holzmodulbaus ist die kürzere Bauzeit. Branchenangaben zufolge können sich Bauzeiten gegenüber konventionellen Bauweisen um bis zu 40 Prozent reduzieren.
Der Grund dafür liegt nicht allein in der Montagegeschwindigkeit.
Ein Teil der Arbeiten läuft parallel.
Während auf der Baustelle beispielsweise die Gründung vorbereitet wird, können in der Werkhalle bereits die Module gefertigt und ausgebaut werden. Die Produktion ist dabei weitgehend unabhängig von Regen, Schnee oder niedrigen Temperaturen.
Sind die Module fertig, werden sie zur Baustelle gebracht und montiert.
Wie viel Zeit tatsächlich eingespart wird, hängt natürlich vom Gebäude, dem Vorfertigungsgrad und der Organisation des Projekts ab. Bei größeren Projekten kann der Unterschied aber erheblich sein.
Für Zimmerer bedeutet das eine andere Art zu arbeiten
Der Modulbau nimmt dem Zimmererhandwerk nicht einfach Arbeit weg. Viele Arbeitsschritte verschieben sich.
Die Fertigung findet stärker unter kontrollierten Bedingungen in der Halle statt. Maschinen können besser eingesetzt werden, Materialien liegen direkt am Arbeitsplatz und wiederkehrende Arbeitsschritte lassen sich sinnvoll organisieren.
Auch für die Arbeitsvorbereitung verändert sich einiges.
Denn wenn ein Modul die Werkhalle verlässt, sollte möglichst alles passen. Öffnungen, Anschlüsse, Leitungswege und Maße müssen bereits vorher feststehen.
Was auf einer klassischen Baustelle noch angepasst werden kann, lässt sich bei einem fertigen Raum nur mit deutlich größerem Aufwand ändern.
Deshalb ist eine genaue Planung entscheidend
Beim Modulbau entscheidet sich vieles bereits vor Produktionsbeginn.
Die einzelnen Module müssen nicht nur für sich funktionieren. Sie müssen später auch exakt zueinander passen. Das betrifft beispielsweise Wandanschlüsse, Geschossübergänge, Installationen und die spätere Montage.
Eine kleine Abweichung kann sich bei mehreren aufeinandergestellten Modulen schnell bemerkbar machen.
Deshalb spielt die digitale Planung beim Holzmodulbau eine besonders wichtige Rolle. Je genauer das Gebäude bereits am Rechner geplant wird, desto weniger Überraschungen gibt es später in der Fertigung und auf der Baustelle.
Für Holzbaubetriebe ist das ein wichtiger Punkt. Vorfertigung funktioniert nicht nach dem Prinzip „Das machen wir später vor Ort passend“.
Die Baustelle wird zum Montageplatz
Ein großer Teil der klassischen Baustellenarbeit findet beim Modulbau bereits vorher statt.
Das hat auch Auswirkungen auf die Logistik. Idealerweise kommt ein Modul genau dann auf der Baustelle an, wenn es montiert werden kann.
Dafür müssen Anlieferung, Kran, Montageablauf und die Reihenfolge der Module gut aufeinander abgestimmt sein.
Ein Zwischenlager auf der Baustelle ist häufig weder sinnvoll noch notwendig. Die Module werden angeliefert, mit dem Kran an ihren Platz gehoben und dort montiert.
Das spart Platz und verkürzt die Zeit, in der die Baustelle durch Material und Arbeiten belastet wird.
Raumzellen müssen nicht langweilig aussehen
Bei Modulbau denken viele zunächst an Container oder immer gleiche Grundrisse. Mit modernem Holzmodulbau hat das nicht unbedingt viel zu tun.
Die Module können unterschiedliche Größen und Funktionen haben und miteinander kombiniert werden. So lassen sich auch Gebäude mit abwechslungsreichen Grundrissen realisieren.
Gerade bei Schulen, Kitas, Wohngebäuden oder Erweiterungen bestehender Gebäude kann das interessant sein.
Der Vorteil liegt darin, dass die einzelnen Module standardisiert gefertigt werden können, ohne dass am Ende jedes Gebäude gleich aussehen muss.
Warum Holz für Raumzellen gut geeignet ist
Holz bringt für den Modulbau einige praktische Eigenschaften mit.
Das vergleichsweise geringe Gewicht erleichtert Transport und Montage. Gleichzeitig lässt sich Holz präzise vorfertigen und gut mit modernen Fertigungstechniken bearbeiten.
Auch bei größeren Gebäuden ist Holzmodulbau inzwischen interessant. Die technischen Möglichkeiten und die Anforderungen an den Holzbau haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt.
Hinzu kommt der Nachhaltigkeitsaspekt. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und speichert während des Wachstums CO₂. Das geringere Gewicht kann außerdem Vorteile beim Transport gegenüber schwereren mineralischen Bauweisen bieten.
Wie nachhaltig ein Gebäude tatsächlich ist, hängt allerdings immer vom gesamten Projekt ab. Dazu gehören unter anderem Materialauswahl, Transport, Nutzung und späterer Rückbau.
Fachkräftemangel macht Vorfertigung interessant
Ein weiterer Punkt wird für viele Betriebe immer wichtiger.
Es fehlen Fachkräfte.
Wenn ein Betrieb mehr Aufträge bearbeiten möchte, lässt sich das nicht beliebig über zusätzliche Mitarbeiter auf der Baustelle lösen. Ein höherer Vorfertigungsgrad kann dabei helfen, vorhandene Arbeitskräfte effizienter einzusetzen.
Arbeiten können gebündelt und unter besseren Bedingungen ausgeführt werden. Wiederkehrende Tätigkeiten lassen sich in der Werkhalle organisieren und teilweise automatisieren.
Das bedeutet nicht, dass der Modulbau ohne Fachkräfte auskommt. Im Gegenteil. Gute Planung, Fertigung und Montage brauchen weiterhin qualifizierte Mitarbeiter.
Die Arbeit verteilt sich nur anders.
Was das für den Holzbau bedeutet
Der Holzmodulbau zeigt, in welche Richtung sich ein Teil der Branche entwickelt.
Mehr Vorfertigung, genauere Planung und stärker miteinander verknüpfte Prozesse verändern den bisherigen Ablauf. Für Zimmerer bedeutet das nicht, dass das klassische Handwerk verschwindet. Vielmehr kommen neue Anforderungen hinzu.
Wer heute ein Modul plant, muss bereits berücksichtigen, wie es gefertigt, transportiert und später montiert wird.
Damit rücken Planung, Arbeitsvorbereitung und Fertigung noch enger zusammen.
Fazit
Vorgefertigte Raumzellen können Bauprojekte deutlich beschleunigen. Ein großer Teil der Arbeit wird von der Baustelle in die Werkhalle verlagert, wo unter kontrollierten Bedingungen gefertigt und ausgebaut werden kann.
Für Bauherren bedeutet das kürzere Montagezeiten und eine bessere Planbarkeit. Für Holzbaubetriebe ergeben sich neue Möglichkeiten bei Fertigung und Organisation.
Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel ist die Entwicklung interessant. Wenn mehr Arbeit vorgefertigt und besser geplant werden kann, lassen sich vorhandene Mitarbeiter gezielter einsetzen.
Damit wird der Holzmodulbau vor allem zu einer Frage des gesamten Bauablaufs. Nicht nur das Bauteil verändert sich, sondern auch die Art, wie geplant, gefertigt, transportiert und montiert wird.