Was in Simmerath für die Zukunft des Holzbaus erforscht wird

Holzträger mit bis zu 15 Metern Spannweite, komplette Wandelemente und Belastungen von bis zu 60 Tonnen. Was später auf der Baustelle funktionieren soll, kann im neuen Aachener Zentrum für Holzbauforschung unter realistischen Bedingungen getestet werden.

Am 21. September 2026 wurde das neue Forschungszentrum der FH Aachen auf dem Eifelcampus in Simmerath eröffnet. Hier geht es um Fragen, die für die Zukunft des Holzbaus immer wichtiger werden: Welche Holzarten werden wir künftig verbauen? Wie lassen sich größere und mehrgeschossige Gebäude aus Holz wirtschaftlich realisieren? Welche Verbindungen eignen sich dafür? Und wie können Forschung, digitale Planung und moderne Fertigung besser zusammenspielen?

Wenn sich der Wald verändert, verändert sich auch der Holzbau

Fichte gehört heute zu den wichtigsten Baustoffen im konstruktiven Holzbau. Durch den Umbau unserer Wälder hin zu klimastabileren Mischwäldern dürfte der Anteil anderer Baumarten in Zukunft jedoch steigen.

Damit rücken auch Laubhölzer stärker in den Fokus.

Am Aachener Zentrum für Holzbauforschung wird deshalb unter anderem untersucht, wie sich Birke, Bergahorn und Roteiche im Bauwesen einsetzen lassen. Dafür müssen beispielsweise Tragfähigkeit und Verformungsverhalten erforscht werden.

Denn eine neue Holzart lässt sich nicht einfach anstelle einer bereits etablierten einsetzen. Bevor daraus neue Bauprodukte und Konstruktionen entstehen können, müssen ihre Eigenschaften genau bekannt sein. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen können später eine Grundlage für Zulassungen und Normen bilden.

Holzbau im echten Maßstab testen

Besonders interessant für die Praxis sind die Dimensionen, in denen in Simmerath geforscht werden kann.

Holzbauteile werden nicht nur anhand kleiner Proben untersucht. Viele Versuche finden im realistischen Bauteilmaßstab statt.

Dafür steht unter anderem eine rund acht Meter hohe Zug Druck Spindelmaschine zur Verfügung. Sie kann Prüfkörper mit bis zu 600 Kilonewton belasten. Das entspricht ungefähr einem Gewicht von 60 Tonnen.

Auch komplette Wandelemente mit einer Größe von bis zu sechs mal vier Metern können getestet werden. Auf einem weiteren Prüfstand lassen sich Holzträger mit Spannweiten von bis zu 15 Metern untersuchen, wie sie beispielsweise beim Bau größerer Hallen eingesetzt werden.

So können Konstruktionen unter Bedingungen geprüft werden, die wesentlich näher an der späteren Anwendung liegen.

Mehrgeschossiger Holzbau stellt neue Anforderungen

Mit zunehmender Gebäudegröße werden auch die Anforderungen an Konstruktionen und Verbindungen größer.

Genau hier setzt ein weiterer Forschungsbereich des Zentrums an. Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit Systemlösungen für den mehrgeschossigen Holzbau und mit der Frage, wie wiederkehrende Bauteile und Anschlüsse sinnvoll standardisiert werden können.

Ziel sind Konstruktionen, die technisch zuverlässig, wirtschaftlich und möglichst einfach berechenbar sind.

Spannend ist dabei auch die Verbindung von traditionellem Zimmererhandwerk und moderner Fertigung.

Schwalbenschwanzverbindungen beispielsweise sind im Holzbau alles andere als neu. In Simmerath wird untersucht, wie sich solche bewährten Prinzipien mit heutigen digitalen Produktionsmethoden verbinden lassen. Ein Forschungsprojekt beschäftigt sich damit, wie auf diese Weise Balkenschichtholz ohne Klebstoff hergestellt werden kann.

Traditionelles Wissen trifft damit auf moderne Forschung und Fertigungstechnik.

Digitale Planung wird immer wichtiger

Je komplexer Konstruktionen werden und je mehr Bauteile vorgefertigt werden, desto wichtiger wird eine präzise Arbeitsvorbereitung.

Auch auf dem Eifelcampus spielt die Digitalisierung deshalb eine wichtige Rolle. Ein Beispiel ist Building Information Modeling, kurz BIM. Virtuelle 3D Modelle ermöglichen es verschiedenen Gewerken, Architekten und Ingenieuren, auf einer gemeinsamen digitalen Grundlage zu arbeiten und Informationen frühzeitig auszutauschen.

Für Zimmereien und Holzbaubetriebe ist diese Entwicklung längst im Arbeitsalltag angekommen.

Auch mit S+S ABBUND beginnt ein großer Teil des modernen Holzbaus heute zunächst digital. Dachkonstruktionen, Wände, Decken und weitere Holzkonstruktionen werden geplant, detailliert ausgearbeitet und anschließend für die Fertigung vorbereitet.

Was später millimetergenau aus Holz gefertigt werden soll, muss zuvor ebenso präzise geplant werden.

Neue Bauweisen, Materialien und Verbindungstechniken stellen deshalb nicht nur neue Anforderungen an Forschung und Fertigung, sondern auch an die digitale Planung.

Forschung, die im Handwerk ankommen soll

Das Aachener Zentrum für Holzbauforschung soll deshalb mehr sein als ein klassisches Forschungslabor.

Als Teil des Eifelcampus arbeitet die FH Aachen eng mit dem Bildungszentrum BGZ Simmerath der Handwerkskammer Aachen zusammen. Gleichzeitig sind Unternehmen, Planungsbüros, Institutionen und Verbände aus unterschiedlichen Bereichen der Wertschöpfungskette beteiligt.

Der Austausch funktioniert dabei in beide Richtungen. Neue Erkenntnisse aus der Forschung sollen möglichst schnell ihren Weg in die praktische Anwendung finden. Gleichzeitig können Erfahrungen und Anforderungen aus dem Handwerk wieder in neue Forschungsprojekte einfließen.

Genau dieser Austausch wird für den Holzbau immer wichtiger.

Neue Holzarten, größere Gebäude, mehr Vorfertigung und zunehmend digitale Prozesse verändern die Branche. Damit diese Entwicklungen in der Praxis funktionieren, müssen Forschung, Planung, Software, Fertigung und Handwerk zusammenspielen.

Das neue Zentrum in Simmerath schafft dafür einen Ort, an dem neue Lösungen nicht nur berechnet, sondern im echten Bauteilmaßstab erprobt werden können.

 

Quelle: FH Aachen, „Von der Forschung in die Anwendung: neues Zentrum für Holzbauforschung“, veröffentlicht am 22. September 2026.

Bildquelle: FH Aachen | Arnd Gottschalk